Starting in 1996, Alexa Internet has been donating their crawl data to the Internet Archive. Flowing in every day, these data are added to the Wayback Machine after an embargo period.
Starting in 1996, Alexa Internet has been donating their crawl data to the Internet Archive. Flowing in every day, these data are added to the Wayback Machine after an embargo period.
TIMESTAMPS
The Wayback Machine - https://web.archive.org/web/20120415170701/http://dasregimeunddiedandys.wordpress.com:80/
Für alle rheinischen Fans: Am 14.März habe ich noch einmal das Vergnügen, “Das Regime und die Dandys” gemeinsam mit dem fabelhaften Alec Kopyt zu präsentieren. Im Zakk in Düsseldorf, ab 20:00! Kommt alle, es wird schön!
Arkadij Sewernyj verabschiedet das Jahr 1977 und macht sich Gedanken über das, was nahe liegt: Was trinken? Immerhin sind seine Freunde und Musiker, wie er in der Einleitung vergnügt mitteilt, gerade rechtzeitig von der Grippe (eine Epidemie!) genesen. Sergej Iwanowitsch, gütiger Benefaktor und Produzent, hat eine geheime Zaubertinktur gemischt. Genaues weiß man nicht, aber die Medizin enthielt wohl doch: Schnaps-Wein, russischen Senf (den man in den Geschäften aus unbekannten Gründen nicht findet), roten Pfeffer, Anti-Schuppen-Shampoo und irgendein Insektengift. Hat Sergej Iwanowitsch Jerofejew gelesen? Sewernyj selbst?
Wer sich fragt, wer wohl dieser Wyssozki war, über den die Russen jetzt einen teuren Film gemacht haben, der sogar in großen deutschen Kinos läuft, der hat ein Problem: Der Wyssozki in Petr Buslows Film ist ein Junkie mit Gitarre, nicht mehr. Kein Sänger, kein Schauspieler, kein Dichter, kein Gott. Dass er wegen der sehr aufwendigen Maske erstens wie ein Zombie aussieht und zweitens kaum einen Gesichtsmuskel bewegen kann, hilft naturgemäß wenig.
...oder der charismatische Tschekist?
Warum Wyssozki das ganze Land zu Füßen lag, warum es ihm auch heute noch, 30 Jahre nach seinem Tod, zu Füßen liegt, man begreift es nicht.
Der eigentliche Held in Buslows Film ist nicht Wyssozki, sondern der nachdenkliche, charismatische Geheimdienstler Wiktor Michailowitsch, der Wyssozki in Usbekistan auf den Fersen ist. Das dürfte Putin gefallen haben. Der Film kam drei Tage vor den Dumawahlen in die Kinos. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wer der echte Wyssozki war, dem hilft wie immer youtube. Hier ein Dokumentarfilm mit seltenen Liveaufnahmen. Der Erzähler ist übrigens Sergej Schnurow.
Das hier könnte leicht das Dümmste sein, was Putin je getan und gesagt hat. Mal ganz abgesehen davon, dass er unverfroren lügt. Auf eine Frage nach den Protesten gegen die Wahlfälschungen antwortet der Premier und Präsidentschaftskandidat heute morgen live vor Millionen Zuschauern: “Sie sagen ja, viele Leute demonstrieren, weil sie unzufrieden damit sind, wie die Macht mit ihnen umgeht. Aber schauen Sie, was man im Fernsehen sehen konnte. Einige Leader der Opposition, die die Leute zu den Demonstrationen gerufen haben, was haben die denn geschrien? “Vorwärts ihr Hammel!” Was ist das denn? Man kann doch mit den Leuten nicht reden wie mit Vieh! Die Leute sind mit der Macht unzufrieden. Wollen Sie etwa so eine Macht? Ich weiß, dass man Studenten fürs Demonstrieren etwas Geld bezahlt hat. – Das ist auch gut! Die sollen ruhig etwas dazuverdienen! Aber sich erniedrigen zu lassen – das geht nicht.”
Einen größeren Gefallen als diese dämliche, dreiste Lüge konnte Putin seinen Gegnern nicht tun. Der starke (und offenbar kürzlich stark geliftete) Mann verliert die Orientierung.
Hier noch ein Video, in dem man sehen kann, wie die wenigen Pro-Putin Demonstranten nach ihrer traurigen Demonstration vom 12.Dezember bezahlt werden. Und eine Zahl, die zeigt, was das Internet kann und wie viele Leute in Russland die Nase voll haben. Seit Dienstag haben allein auf youtube mehr als 400.000 Leute das Video gesehen.
PS: #ботокс wird während Putin redet und redet und weiterredet zum weltweiten Twittertrend, auf Russisch. Und ein russischer Kommentator schreibt: “Ein alter, kranker, von Botox zerstochener Seniler redet Unsinn, aber das ganze Land – vom Taxifahrer bis zum Twitterer – diskutiert seine Worte.”
Die besten Bilder und die beste Übertragung von der heutigen Demonstration lieferten das Bürgerfernsehen Ridus und Ilja Warlamow, von denen sogar die staatlichen Kanäle Bilder übernahmen. Fast eine Million Zuschauer sollen die Übertragung von Ridus im Internet verfolgt haben. Mit im Einsatz:
Auch heute lief wieder fast alles unter Alexej Nawalnyjs genialer Losung: “Einiges Russland – Partei der Gauner und Diebe.” Nawalnyj lies aus dem Gefängnis grüßen. Er sitzt seit Montag 15 Tage Arrest ab.
Diebe und Gauner - gebt uns sie Wahlen zurück! (@adagamov)
Wie geht es weiter? Für den 24. Dezember ist die nächste große Demo angekündigt. Bis dahin sollen Neuwahlen durchgesetzt werden. Wahrscheinlich? Nicht besonders. Was geht sonst noch? Verschiedene am 4.12. gewählte Abgeordnete von Gerechtes Russland haben angekündigt, ihre Mandate zurückzugeben. Auch die KP, zweitgrößte Partei in der Duma, hat diesen Vorschlag gemacht.
Ansonsten gilt vorerst weiter Leningrads Diagnose:
Hier mein kurzer Kommentar für WDR5 (ab 13:40) zu den aktuellen Ereignissen in Moskau:
Ist das der Anfang vom Ende? Vor zwei Wochen pfiffen Tausende Moskauer Wladimir Putin aus, als er nach einem Boxkampf in den Ring der Olypmpiahalle stieg um Wahlkampf zu machen. Millionen haben Videos der Schmach angeklickt.
Putin ließ sich nichts anmerken. Seit gestern (4.12.) weiß er, dass das Pfeifkonzert nur ein Vorgeschmack war. Trotz nach wie vor totaler Kontrolle über die großen Fernsehsender und trotz zum Teil grober Wahlmanipulation verlor Putins Partei “Einiges Russland” 15% der Stimmen. Vom Kreml bis zum letzten Blogger weiß jeder in Russland, dass die Legitimitätskrise in Wahrheit noch viel dramatischer ist. In Moskau liegt die Partei offiziell bei 46%, unabhängige Exitpolls kamen auf die Hälfte. In Petersburg, der Heimatstadt von Putin und Medwedjew, liegt die Partei selbst offiziell nur bei 33%. In den anderen großen Städten ist die Lage ähnlich.
Die Zahlen, die offiziellen wie die inoffiziellen, sind das Ergebnis allgemeiner Frustration. Kaum jemand in Russland jubelt angesichts der Aussicht auf zwölf weitere Jahre unter Putin. Das Wahlergebnis ist aber auch das Ergebnis einer mächtigen, vor allem im Internet geführten Kampagne gegen Putin und seine Partei. Kopf und Gesicht der Kampagne ist der Antikorruptionsblogger Alexej Nawalnyj, ihr zentraler Slogan lautet “Einiges Russland ist die Partei der Gauner und Diebe”. Der Slogan ist inzwischen so verbreitet, dass eine Googlesuche nach “Einiges Russland” sofort zu “Partei der Gauner und Diebe” führt.
Millionen Russen haben Wahlkampfvideos gegen die “Partei der Gauner und Diebe” angeklickt. Mehr als 100 Bands folgten dem Aufruf, eine Hymne gegen die “Partei der Gauner und Diebe” zu schreiben.
Die Videos, die Blogs, die vielen oppositionellen Medien im Netz – wer ein paar Stunden online verbringt weiß, dass Putin die Macht im russischen Internet bereits verloren hat. Die Wahlen von gestern zeigen nun, dass die Anti-Putin-Stimmung aus dem Internet in die Realität schwappt. Bleibt die Frage, wie es weitergeht. An den Machtverhältnissen im Lande ändern die Wahlen erstmal nichts. Putin kann weiterregieren. Doch die Herren im Kreml dürften verstanden haben, dass sie die außerparlamentarische Opposition nicht mehr länger ignorieren können. Keine Regierung der Welt kann auf Dauer gegen die Mehrheit der gebildeten, urbanen Mittelschicht regieren. Falls Putin es doch versucht, gibt es nur zwei Auswege: entweder emigrieren noch mehr junge Russen und das Land versinkt in Apathie. Oder es behalten jene Recht, die sich durch die aktuelle Lage an die Zeit vor der Revolution von 1917 erinnert fühlen: Wenn Putin und seine Partei nicht demokratisch abgewählt werden können, landen sie irgendwann durch Gewalt auf Leo Trotzkijs berühmten Müllhaufen der Geschichte. Genau wie der letzte Zar.
——-
Hier ein Video von der Demonstration am Dienstag Abend in Moskau von Rustam Adagamow. Die Jugendlichen links mit den kurzen Haaren, die ihre Gesichter nicht zeigen wollen, sind die wahrscheinlich bezahlten oder zur Teilnahme gezwungenen Pro-Putin/Medwedjew-Demonstranten. Adagamow fragt immer wieder: “Warum versteckt ihr eure Gesichter, Leute? Ihr habt doch gewonnen!” – Dann laufen rechts die anderen Demonstranten vorbei.