Multifeed-Antenne – Wie programmieren?

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Foto: KI-generiert mit Gemini

Die Schüssel steht, die LNBs sind montiert – doch am Fernseher bleibt es schwarz? Eine Multifeed-Antenne aufzubauen, ist nur die halbe Miete. Damit das Empfangsgerät weiß, welcher Satellit gerade angezapft werden soll, muss die DiSEqC-Steuerung korrekt programmiert werden. Fachbuchautor Thomas Riegler erklärt, warum TV-Tuner oft an ihre Grenzen stoßen und wie Sie mit DiSEqC 1.1 das Maximum aus Ihrer Anlage herausholen.

Die Logik hinter dem Kabel: Warum DiSEqC unverzichtbar ist

Auch wenn an der Antenne mehrere LNBs montiert sind, so geht von ihr nach wie vor nur eine Leitung zum Empfangsgerät. Mit den üblichen Schaltbefehlen übermittelt es über das Koaxialkabel nur, welcher Teilbereich des Ku-Bands und welche Ebene (horizontal oder vertikal) vom LNB ausgegeben wird. Um auch zwischen mehreren LNBs wechseln zu können, braucht es mit DiSEqC ein zusätzliches Schaltkriterium. Konkret gibt es davon zwei Varianten, die für Multifeed-Antennen zur Anwendung kommen.

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1 Als erstes sind die zusätzlichen Satellitenpositionen in den Empfangseinstellungen des Receivers zu aktivieren

DiSEqC 1.0: Der Standard für bis zu vier Positionen

DiSEqC 1.0 ist ein einfaches Steuerprotokoll, das die Auswahl zwischen maximal vier Orbitpositionen zulässt. Es wird gewöhnlich von fast allen Sat-Receivern und den in TV-Geräten eingebauten Sat-Tunern unterstützt.

Einsatzbereich: Ideal für kleine Lösungen, um neben Astra (19,2° Ost) beispielsweise Hotbird (13° Ost) sowie Astra-Positionen auf 23,5° und 28,5° Ost zu empfangen. Eine fünfte Position ist mit diesem Protokoll technisch nicht möglich.

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2 Hier wird der zweiten Satellitenposition LNB 2 zugeordnet

Die Krönung: DiSEqC 1.1 für echte Profi-Anlagen

Sollen mehr als vier Satellitenpositionen verwaltet werden, kommt man um DiSEqC 1.1 nicht umhin. Es erlaubt die direkte Ansteuerung von bis zu 64 LNBs und erlaubt wirklich uneingeschränkten Satellitenempfang.

  • Der Vorteil: Jedenfalls erlaubt DiSEqC 1.1 auch Satelliten mit nur wenigen empfangbaren Programmen mit zu berücksichtigen. Schließlich ist der Aufbau selbst einer größeren Multifeed-Anlage mit mehr als vier Satellitenpositionen mit überschaubarem finanziellem Aufwand verbunden. Single-LNBs bekommt man ab etwa zehn Euro und selbst wenn man sich entschließt, eine spezielle Multifeed-Antenne anzuschaffen, die ohne weiteres acht LNBs zulässt, bewegt man sich dafür in der Preisklasse unter 100 Euro.
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3 Sofern maximal vier LNBs installiert wurden, ist das Schaltkriterium DiSEqC 1.0 auszuwählen

Schritt-für-Schritt: Die Programmierung im Detail

Das DiSEqC 1.1-Steuerprotokoll zählt zur Standardausstattung aller Sat-Receiver. Auch solcher Modelle, die man für rund 30 Euro bekommt. Ganz anders stellt sich die Situation bei den in den Fernsehern verbauten Tunern dar. Mehr als DiSEqC 1.0 darf man bei Fernsehern nicht erwarten. Wer also den TV-Tuner für den Mehrsatellitenempfang zu nutzen gedenkt, muss sich mit maximal vier Orbitpositionen vergnügen. Abgesehen davon bietet ein separater Sat-Receiver auch weitere Vorteile, wie den Empfang von Sondernormen wie Multistream. Was die Attraktivität einer Multifeed-Anlage weiter steigert.

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4 In weiterer Folge ist hier für die zweite Position unter DiSEqC 1.0 Port B zu wählen

Zunächst ist jeder zu empfangende Satellit im Einstellungsmenü des Receivers anzulegen. Gewöhnlich sind die relevanten Satelliten bereits vorprogrammiert und brauchen aus einer Liste nur noch aktiviert zu werden. Für jeden Satelliten muss die LNB-Konfiguration vorgenommen werden. Gewöhnlich kann man die Voreinstellung „Universal-LNB“ belassen.

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5 Für die Ansteuerung von mehr als vier Satellitenpositionen braucht es DiSEqC 1.1

Durch die anschließende Programmierung der DiSEqC-Parameter wird dem Receiver beigebracht, mit welchen Schaltbefehlen er die LNBs der Multifeed-Antenne erreicht. Je nach Menüoberfläche des Modells kann eine bis mehrere Zeilen vorgesehen sein.

In der einfachsten Variante ist unter „DiSEqC“ nur zwischen eins und 64 zu wählen. Hier ist im Hintergrund bereits festgelegt, ob es sich um DiSEqC 1.0 oder 1.1 handelt. Bei anderen Betriebsoberflächen, wie etwa OpenATV, ist DiSEqC erst zu aktivieren und auszuwählen, welcher Modus benötigt wird.

  • Die Adressierung: wird über zwei weitere Zeilen festgelegt. Über sie werden der benötigte DiSEqC 1.0- und -1.1-Befehl eingestellt. Für den ersten Satelliten, gewöhnlich Astra auf 19,2 Grad Ost, sind zum Beispiel als DiSEqC 1.0-Befehl „A“ und als DiSEqC 1.1-Kommando „eins“ zu programmieren. Für Satellit acht würden die Befehle „A“ und „acht“ lauten.
  • Welches DiSEqC 1.1-Kommando zu programmieren ist, hängt davon ab, an welchen Eingängen die einzelnen LNBs der Multifeed-Antenne am DiSEqC-Schalter angeschlossen wurden. Wurde etwa der LNB für den auf neun Grad Ost positionierten Eutelsat 9B mit dem dritten Eingang verbunden, ist als Schaltkriterium auch die drei festzulegen.
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6 DiSEqC 1.1 erlaubt den Aufbau von Multifeed-Anlagen mit bis zu 64 LNBs

Fazit: Mehr Vielfalt ohne Astra-Verlust

Eine bestehende Sat-Antenne lässt sich mit wenig Aufwand und geringen Kosten, um weitere Satellitenpositionen erweitern. Am bereits bestehenden Astra-Empfang für die deutschen Programme ändert sich nichts. Es kommen nur weitere Programme aus ganz Europa und den angrenzenden Regionen dazu, die für noch mehr Vielfalt sorgen. Richtig Spaß macht Multifeed-Empfang jedoch nur, wenn dafür ein externer Receiver verwendet wird. Er erlaubt mehr Satellitenpositionen als die üblichen in den TVs verbauten Sat-Tuner.

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Thomas Riegler
Thomas Riegler verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich des digitalen Fernsehens und zählt hier zu den erfahrensten Fachbuchautoren. Seit 20 Jahren ist er Autor für die Zeitschrift DIGITAL FERNSEHEN und Digitalfernsehen.de

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